Aktuell

Und wieder trocknet die Mangfall aus!

Wiederholt, so auch 2015 und 2016, wurden tote Fische in der Mangfall bei Müller am Baum
beobachtet. Die Ursache ist zu wenig Wasser im Flussbett der Mangfall, der sogenannten
Korrektionsstrecke, denn nahezu das gesamte Wasser wird in einen Kraftwerkskanal ausgeleitet.
Der Fischereiverein wandte sich an das Landratsamt, das Abhilfe versprach. Auch die Mangfall-
Allianz bat das Landratsamt um Informationen zur Regelung der Mindestwassermengen im
Zusammenhang mit dem derzeit laufenden Verfahren zur Neubewilligung der Wasserkraftanlage in
Müller a. Baum. Nach Auskunft der Behörde soll alles darangesetzt werden, mit dem
Kraftwerksbetreiber das noch laufende Verfahren möglichst schnell abzuwickeln, um den
Bewilligungsbescheid mit einer erhöhten, ausreichenden und dann verpflichtenden
Mindestwasserabgabe zu erlassen.
Im Februar dieses Jahres kam es aber wieder zu einem Fischsterben, das Flussbett war in Teilen
ausgetrocknet.
Nach einem weiteren Gespräch im Landratsamt mit Vertretern der Fachbehörden hat sich die
Situation keineswegs gebessert, vielmehr trocknete die Mangfall Anfang März wieder aus. Ein
aufmerksamer Anwohner hat festgestellt, dass die Kiesschleuse, über die eigentlich Wasser in die
Mangfall/Korrektionsstrecke abgegeben werden soll, am 4., 6. und 7. 3. geschlossen war.
Die Mangfall-Allianz ist tief enttäuscht, dass es den Behörden bisher nicht gelungen ist, für die
Sicherstellung einer Mindestwassermenge zu sorgen und so die Vorgaben der Europäischen
Wasserrahmenrichtlinie und des Wasserhaushaltsgesetzes durchzusetzen. Doch nun gibt es einen
Hoffnungsschimmer: nach Auskunft des Landratsamts wird eine Anordnung vorbereitet, die auch
vor einem endgültigen Bescheid für die Wasserkraftnutzung ausreichend Wasser in der
Korrektionsstrecke verbindlich vorschreibt.
Die Mangfall-Allianz wird weiterhin ihr Augenmerk darauf richten, dass und ob die Anordnung
entsprechend umgesetzt wird. Es bleibt jedoch fest zu halten, dass nach Meinung der Mangfall-
Allianz die verfügte Restwassermenge von zunächst 300 l/s nicht zureichend sind.

Bild links: über Wehr bei Fluss-km 50-2 fließt kein Wasser
Bild rechts: trockenes Flussbett unterhalb Wehr bei Fluss-km 50-2
Bilder vom 6.3.2017 © Michael Nürnberger

Verfahren zum Weiterbetrieb des Leitzachwerks I abgeschlossen

Das Verfahren, das 2010 begann, ist mit dem Bescheid über die Bewilligung zum Weiterbetrieb für weitere 30 Jahre und dem Vertrag zu den Restwassermengen am 1.10.2016 zu Ende gegangen. In dem langen Verfahren wurde die Mangfall-Allianz immer wieder zu Gesprächen und Informationsterminen eingeladen. Anliegen der Mangfall-Allianz war, dass Kraftwerksbetrieb und Restwasser zusammengehören. Juristisch wurden diese jedoch getrennt gesehen, aber zeitgleich behandelt, zuletzt beim Erörterungstermin.
Der öffentlich rechtliche Vertrag zwischen Landratsamt und Stadtwerken München regelt insbesondere die Restwassermengen. Für die Leitzach wurde das Restwasser auf 1,5 m³/s erhöht, zur Laichzeit der Äsche im Frühjahr auf 1,7. Dazu kommt ab 2018 eine gewisse Dynamisierung: 10% der zufließenden Wassermenge, die über diesen Sockelbeträgen ist, kommt zum Restwasser dazu. Für die Mangfall wurde das Restwasser nur auf 1,2 m³/s erhöht, die Dynamisierung gilt erst ab 2020. Bei der Schlierach wurde nichts geändert. Weiter sollen das Weidenauer Wehr und das Mühlauer Wehr innerhalb von 3 Jahren durchgängig gemacht werden.
Fazit für die Mangfall-Allianz: Das Ergebnis ist ein Erfolg für die Leitzach, für die Mangfall ist das Restwasser zu wenig und für die Schlierach gibt es keine Verbesserungen. Als Begründung wird von den Behörden angeführt, dass diese beiden Flüsse stark verbaut sind, und dass vorrangig Verbesserungen der Gewässerstruktur notwendig sind. Die Mangfall-Allianz wird bei den Behörden nachfragen, welche strukturverbessernden Maßnahmen in welchem Zeitrahmen umgesetzt werden sollen. Diese Maßnahmen sind allein schon deshalb notwendig, um die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Ziel bleibt, den guten Zustand der Gewässer zu erreichen. Die Restwassermengen werden daraufhin immer wieder zu prüfen zu sein.

Veranstaltungen 2015

PresseInformation: Diskussionsveranstaltung am 12.11.2015 in Miesbach

Bericht zur Diskussionsveranstaltung

Entlang der Mangfall

Die Mangfall ist nahezu in ihrem ganzen Lauf und so auch bei Müller am Baum durch Ausleitungen beeinträchtigt. Davon konnten sich Mitglieder der Mangfall-Allianz bei einer kürzlichen Begehung ein Bild machen.

Das Mangfall-Wasser wird oberhalb von Müller am Baum in einen Werkskanal ausgeleitet.

Im Fluss selbst verbleiben nur geringe Wassermengen. Der Mangfall fehlt deshalb die notwendige Dynamik, das Flussbett verschlammt, es fehlt das für die Gewässerlebewesen wichtige Geschiebe (Kies, Steine).

Der Werkskanal liefert Wasser für zwei Wasserkraftwerke. Zwischen diesen beiden Kraftwerken ist der Werkskanal verbunden mit einem ehemaligen Altarm der Mangfall, der Alten Mangfall. Diese ist weitgehend in einem naturnahen Zustand, sie ist ein wertvolles Biotop und u.a. Lebensraum des Bibers. Frische Spuren zeugen von seinen Aktivitäten.

Nicht nur der Biber, auch die streng geschützte Libellenart Grüne Keiljungfer wurde in der Umgebung nachgewiesen. Dieses wertvolle Biotop ist zusammen mit den angrenzenden Hangleitenwäldern und Quellfluren Bestandteil des FFH-Gebiets Mangfalltal.

Nach einer Strecke von ca. 1,3 km münden Werkskanal und Alte Mangfall wieder zusammen, aber nicht in die Mangfall, vielmehr wird das Wasser gleich wieder ausgeleitet in einen Kanal Richtung Seehamer See, um das Leitzachkraftwerk bei Vagen zu speisen.

Diese für die Mangfall ungünstige Situation würde sich noch weiter verschärfen, wenn die Pläne des Kraftwerksbetreibers Wirklichkeit würden. Dieser will noch mehr Wasser aus der Mangfall in den Werkskanal ausleiten. Gleichzeitig soll über die Alte Mangfall und den Werkskanal ein Fischaufstieg gebaut werden. Dies hätte fatale Folgen in zweierlei Hinsicht:
Der schlechte Zustand der Mangfall mit viel zu geringen Restwassermengen würde auf Jahrzehnte festgeschrieben. Andere Maßnahmen und bestehende Anlagen, die ebenfalls diesen Abschnitt der Mangfall betreffen und im Zusammenhang gesehen werden müssen, sind nicht berücksichtigt. So muss bei den Überlegungen zur Durchgängigkeit unbedingt das Weidenauer Wehr einbezogen werden. Auch die anstehenden Planungen zum Hochwasserschutz dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Die Alte Mangfall als wertvolles Biotop wäre in jedem Fall durch Baumaßnahmen und gegebenenfalls auch durch veränderte Restwasserabgaben zur Herstellung des Fischaufstiegs beeinträchtigt. Lebensraumtypische Strukturen des Altwassers wie auch die vorhandene Gewässer- und Uferflora und Uferfauna wären betroffen. Nicht einmal den Fischen selbst wäre gedient, da Klein- und Jungfische die gesamte Passage kaum schaffen. Für Fische, die flussabwärts schwimmen, besteht die Gefahr, in die Turbine des ersten Kraftwerks gezogen und dabei geschädigt oder getötet zu werden.

Die Verbände in der Mangfall-Allianz haben deshalb diese Pläne des Kraftwerksbetreibers abgelehnt. Sie fordern, dass eine Erhöhung der Wasserkraftnutzung mit ökologischen Verbesserungen der Mangfall verbunden sein muss. Die Wasserrahmenrichtlinie, die den guten Zustand, gemessen an der natürlichen Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den Gewässern, ihrer unverfälschte Gestalt und Wasserführung, erreichen will, muss verpflichtend umgesetzt werden. Chancen zur Verbesserung des ökologischen Zustands dürfen nicht vertan werden. Die Mangfall braucht Durchgängigkeit und ausreichend Restwasser.

Fließgewässer gehören zu den schönsten, artenreichsten und sensibelsten, aber auch am meisten gefährdeten Lebensräumen Mitteleuropas. Wasserkraft wird immer als umweltfreundliche regenerative Energiequelle dargestellt, dabei werden die ökologisch fatalen Auswirkungen auf die Gewässer und ihre Lebewesen ausgeklammert.
Deshalb gibt das Ziel der bayerischen Staatsregierung, unter dem Eindruck der Energiewende die Wasserkraftnutzung noch mehr auszuweiten, Anlass zu größter Sorge. Der kürzlich bekannt gewordene Entwurf der “Vollzugsbekanntmachung Wasserkraft” des Umweltministeriums, mit der Genehmigungsverfahren beschleunigt und vereinfacht werden sollen, stellt in den Augen der Naturschutzverbände und Fluss-Allianzen einen Frontalangriff auf den Gewässerschutz dar. In einem Gespräch mit dem Umweltministerium versuchten sie vergeblich, notwendige Änderungen in der Vollzugsbekanntmachung zu erreichen. Als Konsequenz sind die Verbände und Flussallianzen daher vorerst aus dem aktuellen Dialogprozess des Forums Wasserkraft ausgestiegen. Denn “Eine echte Energiewende muss vorrangig die großen Potenziale der Energieeinsparung nutzen und ist auch ohne Naturzerstörung möglich.”, so die Verbände.

Gemeinsame Tagungen der Fluss-Allianzen

Am 04.02.2012 trafen sich erstmals Vertreter von Fluss-Allianzen aus ganz Bayern in Regensburg. Ihnen allen gemeinsam ist die Sorge um den ökologischen Zustand unserer Flüsse und Bäche. Diese sind durch zahlreiche Querbauwerke in ihrem freiem Lauf eingeschränkt, Fische können nicht wandern, der Geschiebetransport wird behindert. Nun soll nach den Plänen der Staatsregierung der Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung in Bayern von 15% auf 17% erhöht werden. Dies lässt eine weitere Verschlechterung des Zustands der Fließgewässer befürchten und war der unmittelbare Anlass für die Zusammenkunft der Fluss-Allianzen.
Mit dem Ziel, gemeinsam mehr für die Flüsse zu erreichen, wurde beschlossen, ein Netzwerk mit dem Namen “Arbeitsgemeinschaft Bayerische Fluss-Allianzen” zu gründen.

Auf einer weiteren Tagung am 12. Mai 2012 in Neuburg an der Donau wurden als Sprecher der “Arbeitsgemeinschaft Bayerische Fluss-Allianzen” Dr. Josef Paukner, Sprecher der Donau-Naab-Regen-Allianz, und Claire Tranter von der Ammer-Allianz gewählt.
Bei diesem Treffen wurde eine Gemeinsame Erklärung der bayerischen Fluss-Allianzen zum drohenden Bau neuer Stauwehre und Wasserkraftwerke und zur Entwicklung nachhaltiger, gewässerverträglicher Wasserkraftnutzung verabschiedet.

PresseInformation: "Arbeitsgemeinschaft Bayerische Fluss-Allianzen"

PresseInformation: "Energie aus Wasserkraft: Blutroter Strom"

Wasserrechtsverfahrens zum Weiterbetrieb des Leitzachkraftwerks 1

Im Rahmen des derzeit laufenden Wasserrechtsverfahrens zum Weiterbetrieb des Leitzachkraftwerks 1 setzt sich die Mangfall-Allianz für ökologische Verbesserungen an den Flüssen Mangfall, Schierach und Leitzach ein. Aus diesen Flüssen wird ein erheblicher Teil des Wassers in den Seehamer See geleitet, der als Zwischenspeicher für den Kraftwerksbetrieb dient. Gewässerökologische Untersuchungen sollen Auskunft geben, welche Maßnahmen an den Flüssen erforderlich sind, um einen guten ökologischen Zustand, wie er auch nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgeschrieben ist, zu erreichen. Hierzu gehören u.a. bauliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der biologischen Durchgängigkeit, aber auch die Abgabe von ausreichendem Restwasser für die Gewässerabschnitte unterhalb der Ausleitungen. Eine erste Verbesserung für die Leitzach ist kürzlich erfolgt: Seit 1.8.2011 beträgt die Restwassermenge nach der Ausleitung Mühlau 1,2 m3/s, statt bisher 0,8 m3/s.